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Forum Wissen Hinter den Kulissen

Badisches Landschwein oder großes Löwenmaul? Unser Sammlungsportal geht online

Egal ob Tiermodell, botanisches Nasspräparat oder physikalisches Messgerät – unter sammlungen.uni-goettingen.de finden Sie ab jetzt über 20.000 Objekte aus mehr als 25 Sammlungen der Universität Göttingen. Ein kurzer Klick genügt und Sie erhalten hochwertige Bilder und Informationen zu allen digitalisierten Instrumenten, Präparaten oder Kunstwerken und: Sie können diese frei verwenden!

Aus dem Portal: verschiedene Varietäten des Großen Löwenmaules, Sammlung Botanischer Nassspräparate

„Wir teilen die wissenschaftlichen Quellen und digitalen Informationen über die materiellen Dinge aus Kultur und Natur, Medizin und Technik mit der ganzen Welt“, betont Karsten Heck von der Zentralen Kustodie. Er hebt das gemeinnützige Ziel des neuen Sammlungsportals hervor, denn die Objekte sollen immer wieder neu in Forschung und Lehre, Bildung und Wissenskommunikation eingesetzt werden. Auf diese Weise wird immer wieder neues Wissen entstehen und weitergegeben. Deshalb veröffentlichen die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Projektes die Metadaten konsequent gemeinfrei. Das heißt, alle Interessierten können die Bilder über Creative-Commons-Lizenzen aktiv nutzen und die Daten in der Deutschen Digitalen Bibliothek und der Europeana abrufen.

Wie kommen die Daten und Bilder ins Portal?

Dahinter stecken die Göttinger Sammlungsdatenbank und zahlreiche Forschende und Studierende der universitären Sammlungen und des Göttingen Campus. Sie erschließen und erforschen die Objekte, kuratieren die Daten und bereiten diese zur Publikation vor. Die Anzahl der frei zugänglichen Digitalisate und Sammlungen wird daher kontinuierlich steigen. Wir gehören damit deutschlandweit zu den Vorreitern.

Aus dem Portal: Ingrid – Sau des Badischen Landschweins, Sammlung Nutztierwissenschaften

Von den Sammlungen zum Forum Wissen

Bereits heute können Sie ein breites Spektrum an Dingen zum Beispiel im Rahmen der Sonntagsspaziergänge sehen. Die Vielfalt der Sammlungslandschaft wird sich auch im zukünftigen Forum Wissen widerspiegeln. Das vor kurzem gegründete kuratorische Team entwirft darauf aufbauend die Basisausstellung für das Wissensmuseum. „Denn die Schätze des akademischen Erbes“, so die Direktorin der Zentralen Kustodie Marie Luisa Allemeyer, „sind ein Kosmos des Wissens und ein echtes virtuelles Museum der Wissenschaften“.

Hinter den Kulissen

Wer das Sammlungsportal und die Datenbank entwickelt hat und nun kontinuierlich betreibt? Die Niedersächsische Staats- und Universitätsbibliothek Göttingen, die Zentrale Kustodie und die Verbundzentrale des Gemeinsamen Bibliotheksverbunds.

Wenn Sie sich jetzt fragen, wíe die Digitalisierung eigentlich funktioniert, dann lesen Sie am besten unseren Beitrag zum Academischen Museum.

Aus dem Portal: Sextant zur Messung und Beobachtung, um 1800, Sammlung Astrophysik
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Engagement Forum Wissen

Wir wollen’s wissen! Göttingen unterstützt das Forum Wissen

Mit ihrem Enthusiasmus und ihren Beiträgen tragen immer mehr Göttingerinnen und Göttinger zur Realisierung des Forum Wissens bei. Wir haben Unterstützer gefragt, warum ihnen ihr Engagement so wichtig ist.

Mayka Pilz, Forward-Center bei den Basketballerinnen der Veilchen Ladies

 

Mayka Pilz und Viki Karambatsa (mit Brille)
Mayka Pilz und Viki Karambatsa (mit Brille) beim Fotoshooting für die Forum Wissen-Plakatkampagne, Foto: Lili Nahapetian.

Ich bin in Göttingen groß geworden und die Universität gehörte für mich immer ganz selbstverständlich mit dazu. Inzwischen studiere ich auch an der Universität, wie viele meiner Teamkolleginnen bei den Veilchen Ladies. Ich schätze die offene Atmosphäre der Stadt mit vielen jungen Leuten, die aus der ganzen Welt hierher kommen. Aber obwohl die Universität in der Stadt so präsent ist, bekommt man wenig von dem mit, was die Wissenschaftler eigentlich machen. Ich finde die Idee daher super, ein Museum einzurichten, in dem man mit anderen Fachrichtungen in Berührung kommt und mal hinter die Kulissen der Wissenschaft schauen kann.

Die Plakatkampagne mit Forum Wissen-Botschaftern, Foto: Wilfried Arnold.

Außerdem gefällt mir die Stimmung, die gerade rund um das Forum Wissen in Göttingen entsteht. Es kommt wirklich etwas in Bewegung. Deshalb habe ich sofort zugesagt, als ich gefragt wurde, ob ich bei der Plakataktion für das Forum Wissen dabei sein will. Auf dem Plakat bin ich mit meiner Teamkollegin Viki Karambatsa zu sehen, die die blaue Forum Wissen Brille trägt. Insgesamt gibt es sechs Plakatmotive, die sehr unterschiedliche Personen abbilden. Der Mitarbeiter der Stadtwerke und die Schauspielerinnen aus dem Deutschen Theater sind da genauso präsent wie der Oberbürgermeister oder der Professor. Für mich zeigt diese Vielfalt, dass das Forum Wissen offen ist für unterschiedliche Menschen und ihre persönlichen Sichtweisen. Jeder kann sich einbringen: „Teamarbeit für unsere Stadt“ – wie es auf unseren Plakaten steht.

 

Maik Hammerschmidt, Professor für Marketing und Innovationsmanagement

In meiner Forschung beschäftige ich mich unter anderem mit der Frage, wie man Menschen dazu anregen kann, sich sozial zu engagieren. Die Forum Wissen-Kampagne “wir wollen’s wissen” ist mir daher sofort aufgefallen. Ich verfolge das Projekt seither genau. Auch wenn es an meiner Fakultät, der Fakultät für Wirtschaftswissenschaft, keine akademische Sammlung gibt, denke ich, dass wir sehr vom Forum Wissen profitieren werden. Es ist wichtig, dass sich die Universität gegenüber den Bürgerinnen und Bürgern öffnet und ihren Beitrag für die Gesellschaft leistet.

Maik Hammerschmidt mit Forum Wissen Brille
Maik Hammerschmidt mit Forum Wissen Brille, Foto: Christoph Mischke.

 

Meine Rolle sehe ich vor allem darin, andere für das Forum Wissen zu begeistern. Meiner Meinung nach ist soziales Engagement nicht nur wichtig, sondern auch clever. Der Mensch ist nämlich kein homo oeconomicus. Wir haben nicht nur unseren eigenen Nutzen im Sinn, sondern den Nutzen der ganzen Gesellschaft.

Diese Idee versuche ich auch an meine Studierenden weiterzugeben. So kam es, dass eine Studentin, deren Masterarbeit ich im letzten Semester betreut habe, untersucht hat, warum sich Studierende an der Universität Göttingen für das Forum Wissen engagieren würden. Die Ergebnisse zeigen: Viele sind stolz auf dieses Leuchtturmprojekt ihrer Stadt und können sich vorstellen, das Forum Wissen ehrenamtlich zu unterstützen. Es gab auch schon einige Ideen, wie das aussehen könnte. Einige der Befragten würden gerne Führungen durch die Ausstellung geben oder ihre Studienarbeiten im Forum Wissen vorstellen. Andere sehen sich vor allem als Botschafter. Sie wollen Freunde und Kommilitonen für dieses Projekt begeistern. Und was könnte es Besseres geben als solche „Mund-zu-Mund-Werbung“, wie es in der Marketing-Sprache heißt.

Ich hoffe, dass die Ergebnisse unserer empirischen Untersuchung dem Forum Wissen nutzen werden. So leisten wir auch als Wirtschaftswissenschaftler und Marketing-Experten unseren Beitrag für das Projekt.

 

Wir wollen’s wissen: Göttinger Bürgerinnen und Bürger erzählen von ihrem Engagement

Im Forum Wissen steht die Vielfalt der Perspektiven im Mittelpunkt. Jedes Ereignis, Thema und Objekt und jede Form des “Wissen-Schaffens” kann aus verschiednenen Blickwinkeln betrachtet werden – „den Perspektiven der verschiedenen Disziplinen, der Perspektiven von früher und heute, der Perspektive aus Göttingen und von ganz woanders. Ebenso gibt es viele unterschiedliche Gründe, sich für das Forum Wissen stark zu machen. Einige haben wir hier zusammen gefasst.

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Sie wollen’s auch wissen?

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Es gibt unterschiedliche Möglichkeiten, das Forum Wissen zu unterstützen:
– Werden Sie Mitglied im Förderkreis Forum Wissen
Spenden Sie für das Forum Wissen
– Sagen Sie es weiter, damit auch Freunde, Verwandte und Bekannte das Forum Wissen unterstützen
– Zeige Sie Ihre Unterstützung im Netz: #wirwollenswissen
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Fotos der Unterstützer (Slideshow): Peter Heller und Christoph Mischke.

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Hinter den Kulissen Sammlung

Von Pferdeskeletten und Datenbanken – Das Praktikumsprogramm „Wissensdinge online“

Wie inszeniert man Vogelexponate, so dass sie wirken, als ob sie im nächsten Moment davon flattern? Wie rückt man sie ins richtige Licht und wie muss die Kamera eingestellt werden? Wie findet man Informationen zu diesen Objekten und wie veröffentlicht man sie anschließend auf dem Sammlungsportal? Und: Wie kommt das Pferdeskelett wohl zur Kamera, wenn die Kamera nicht zu ihm kommen kann? –  Mit solchen kleinen und großen Herausforderungen haben wir, zwölf Studierende der Universität Göttingen, uns im Rahmen des Praktikumsprogramms „Wissensdinge online“ vier Wochen lang intensiv beschäftigt. Dabei haben wir spannende Einblicke in so manch neues Gebiet gewonnen und viel über „unsere“ Sammlungen gelernt.

Objekte kennenlernen und richtig behandeln

Im Fokus des Praktikums stand, sich in sieben universitären Sammlungen mit den Beständen vertraut zu machen und einzelne Objekte zu erschließen – das heißt, sie über das Sammlungsportal einer breiten Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Schnell wurde deutlich, dass uns dabei nicht nur allerlei Kuriositäten in den Sammlungsbeständen, sondern auch kleinteilige Arbeitsschritte und so manch ungeahnte Herausforderung erwarten.

Als Studierende verschiedener Fachrichtungen konzentrierten wir uns jeweils auf eine der Sammlungen und nahmen uns dort einer Auswahl von unerschlossenen beziehungsweise unvollständig erfassten Objekten an. Mit von der Partie waren die Sammlungen der Zoologie, Ägyptologie, Ur- und Frühgeschichte, Ethnologie, Musikwissenschaft, die Nutztiersammlung sowie die Exlibris-Sammlung (gestempelte oder geklebte Besitzanzeigen in Büchern) in den Beständen der Staats- und Universitätsbibliothek Göttingen.

Was man beim Umgang mit den teils empfindlichen und wertvollen Objekten beachten muss, wurde uns gleich zu Beginn des Praktikums in der Zoologischen Sammlung erklärt – und das ist eine ganze Menge! Denn der Schnabel des Storchs aus dem 19. Jahrhundert beispielsweise kann nicht nur abbrechen, sondern bei falschem Handling ernsthafte gesundheitliche Schäden nach sich ziehen, da seine Präparation Pestizide enthält.

Person mit Sammlungsobjekt
Bei dem Umgang mit den empfindlichen Objekten ist Fingerspitzengefühl gefragt

Über die Tücken der Fotografie

Auch der Umgang mit dem professionellen fotografischen Equipment war anfangs eine Herausforderung. Manche Gegenstände waren so klein, dass ihre Details nur allzu gern ungesehen blieben. Die Vogelschaukästen aus dem 19. Jahrhundert erschwerten das Fotografieren beispielsweise durch spiegelnde Scheiben. Andere Objekte wiederum waren so sperrig und fragil, dass sie nur in einer Gemeinschaftsaktion fotografiert werden konnten. Da wurde das Skelett des Pferdes – auf dem angeblich schon Georg August durch die Wälder ritt – schon mal auf Rollen bewegt, um es vor die Linse zu bekommen.

Pferdeskelett auf Rollen
Pferd auf Rollen: Beim Fotografieren mancher Objekte muss man erfinderisch werden!

Mit Recherche die Datenbanken füllen

Doch mit Fotos allein füllt man noch keine Datenbank. Daher wurden wir ausgiebig mit den Instrumenten der wissenschaftlichen Sammlungserschließung vertraut gemacht, damit die von uns bearbeiteten Objekte nicht nur für alle anzusehen sind, sondern auch alle wichtigen Kerndaten und Kontextinformationen zu den Objekten online zugänglich sind.

Warum die Digitalisierung der Sammlungsbestände eine so wichtige Aufgabe ist, wurde vor allem während der gemeinsamen Besuche in den unterschiedlichen Sammlungen deutlich: „Ich war überrascht davon, wie divers die Göttinger Sammlungslandschaft ist!“, stellte Praktikantin Johanna Andres fest. Viele Personen wissen schlicht nicht um die große Anzahl an Objekten, die sich hinter den Türen der Universität verbirgt. Nicht nur, dass es insgesamt über 70 Sammlungen an der Universität gibt, viele der Bestände bleiben den Besucherinnen und Besuchern verschlossen.

Möglichst viele der Objekte online zugänglich zu machen, ermöglicht hingegen einen ungehinderteren Informationsfluss und somit auch einen breiteren wissenschaftlichen Diskurs. Wie wir die Informationen über die Objekte finden und einpflegen, war in jeder Sammlung individuell – angefangen damit, dass es zwei grobe Objekt-Kategorien und analog dazu auch zwei Datenbanken gibt. So werden Bücher und archäologische Artefakte, also von Menschen Erschaffenes, in die Datenbank Kuniweb eingepflegt. Tierpräparate und andere natürlich entstandene Objekte hingegen werden in Naniweb organisiert. Nach und nach arbeiteten wir uns in die Gegenstandsbereiche und das dazugehörige Vokabular ein und füllten die Datenbanken während des Praktikums mit immer mehr Informationen.

Mehr Informationen zum Thema Digitalisierung findet ihr auch in dem Blogbeitrag zum Königlich Academischen Museum.

Arbeit mit der Sammlungsdatenbank
In mehreren Workshops machten wir uns mit den Kniffen der Sammlungsdatenbanken vertraut

Den eigenen Horizont erweitern

Während des Praktikums konnten wir unser Wissen über Digitalisierungsprozesse immer weiter ausbauen. Einige können sich vorstellen, auch nach dem Studium im Bereich des Sammlungs- und Museumsmanagements zu arbeiten. „Daher wollte ich Einblicke in die Welt der Digitalisierungsarbeiten erhalten“, so Friederike Röpke. Aufgrund dieses Interesses war es auch kein Problem, mit Gegenständen zu arbeiten, mit denen wir als Fachfremde im Studium sonst nicht in Berührung kommen. Schließlich ging es vor allem darum, sich mit den Instrumenten der Digitalisierung vertraut zu machen. Trotzdem wurde die eine oder andere bisher unentdeckte Begeisterung für manche Objekte zutage gefördert, zum Beispiel bei der Arbeit mit den Exlibris aus dem 18. Jahrhundert. „Beim Umgang mit den Büchern entwickelt sich schon eine gewisse Faszination“, so Erich* Gier.

Digitalisierung von Büchern
Bei der Fotografie und Recherche der Objekte entstanden nicht nur Datensätze, sondern mitunter auch neue Interessensgebiete.

Im Abschlussgespräch waren sich alle einig: Das Praktikum hat uns nicht nur jede Menge Wissen vermittelt, sondern auch jede Menge Spaß bereitet!

Amelie May war  Praktikanntin  im zweiten Praktikumsprogramm der Zentralen Kustodie “Wissensdinge Online” zum Thema Digitalisierung.

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Baustelle Engagement Forum Wissen

Nun geht’s los: Göttingen will’s wissen

Ein herzliches Dankeschön an alle, die unser Baustellenfest unterstützt haben! Es war eine tolle Stimmung und wir freuen uns über die vielen Großen und Kleinen, die sich für das Forum Wissen engagieren – und nun unsere Brille tragen!

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Gaby Dey und Dorothée Neff vom Deutschen Theater führten durch das Programm. Die Freunde vom Förderkreis Forum Wissen e.V. – zu erkennen an den Bauwesten – sorgten für gute Laune und unsere zukünftigen Nachbarn, die Freigeister, für leckere Cupcakes. Auch Buttons, Rätselraten oder Fotoaktionen kamen gut an. Etliche Besucherinnen und Besucher nutzten die Chance, noch einmal einen Blick in die Räume zu werfen, die nun bis Ende 2019 umgebaut werden. Bis dahin suchen wir weitere Unterstützer, die es wissen und mit uns das Forum Wissen eröffnen wollen. Denn das Baustellenfest war der Auftakt der Kampagne wir wollen’s wissen, mit der Göttingen sich auf das Forum Wissen einstimmt.

Weitere Bilder vom Anpfiff gibt es hier.

Fotos: Peter Heller

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Ausstellung Forum Wissen

Räume des Wissens: die Planung der Ausstellung für das Forum Wissen beginnt

Endlich geht es los. Die Auswahl ist getroffen. Ab Anfang Oktober beginnt die Arbeit an der Planung der Basis-Ausstellung im Forum Wissen!

Mit einer europaweiten Ausschreibung suchte die Universität Göttingen in den letzten Monaten ein Ausstellungsbüro, das die Konzeption der Basis-Ausstellung des Forum Wissen übernehmen soll. Im Juli fiel die Wahl auf den Historiker und Kulturwissenschaftler Joachim Baur und sein Berliner Ausstellungsbüro „Die Exponauten. Ausstellungen et cetera“.

Die Exponauten sind in Göttingen keine Unbekannten. In Kooperation mit der Zentralen Kustodie haben sie die Ausstellung „on/off. Vom Nobelpreis und den Grenzen der Wissenschaft“ kuratiert, die bis März 2017 in der Alten Mensa zu sehen war. Für die Auswahl von Baur waren neben seiner kulturwissenschaftlichen und wissenshistorischen Arbeitsweise sowie seiner Erfahrung in der Aktivierung von Sammlungsbeständen vor allem seine grundlegenden Herangehensweisen entscheidend: auf die Vielfalt der Perspektiven und die gesellschaftliche Relevanz achten sowie unterschiedliche Akteure einbinden.

Charlene Lynch, Judith Blume, Marie Luisa Allemeyer und Joachim Baur
Das kuratorische Team stimmt sich ein. Von links nach rechts: Charlene Lynch, Judith Blume, Marie Luisa Allemeyer und Joachim Baur, Fotograf: Jan Vetter

Nachdem nun die Verträge unterschrieben und alle Formalitäten erledigt sind, kann es losgehen – das kuratorische Team geht an die Arbeit! Es setzt sich aus Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der Exponauten – neben Baur sind das die Historikerin und Kulturwissenschaftlerin Charlene Lynch sowie die Kulturwissenschaftlerin Mira Frye – und dem Team der Zentralen Kustodie zusammen, insbesondere der Direktorin Marie Luisa Allemeyer, dem Referenten für digitales Sammlungsmanagement Karsten Heck und mir, der Referentin für Ausstellen.

Welche Objekte sollen in welchen Raum? Welche Geschichten sollen sie erzählen? Welche Fragen wollen wir stellen, welche Antworten wird es geben? Welche digitalen Angebote wollen wir machen? Diese und weitere Fragen werden uns in den nächsten Monaten begleiten.

Vielfalt: Geschichte hängt vom Blickwinkel ab

Joachim Baur, der gemeinsam mit Katrin Pieper 2010 in Berlin das Ausstellungsbüro „Die Exponauten. Ausstellungen et cetera“ gründete, arbeitet bereits seit vielen Jahren als freier Ausstellungsmacher. Sein thematischer Rahmen ist dementsprechend weit: „Von der Revolution 1848/49 bis zum Alltag in der Nachkriegszeit, von der Spaßgesellschaft bis zur Geschichte der RAF, von der Globalisierung im 19. Jahrhundert bis zu den Migrationen der Gegenwart“, so umreißt er selbst seine vergangenen Projekte. Ein besonderer Schwerpunkt seiner Arbeit liegt neben Museumstheorie und Geschichtspolitik auf den Themen Migration und kulturelle Vielfalt. Eng damit verknüpft war auch sein letztes großes Projekt, das Museum Friedland am historischen Ort des Grenzdurchgangslagers – ganz in der Nähe von Göttingen. Die Ausstellung führt vom Zweiten Weltkrieg bis in die unmittelbare Gegenwart. Der historische Ort, der seit 1945 die erste Anlaufstelle für über vier Millionen deutsche Vertriebene, Kriegsheimkehrer, Aussiedler und internationale Flüchtlinge war, ist deshalb nicht nur Ausstellungsraum, sondern auch Exponat. In den sieben chronologisch gereihten Räumen wird dabei Vieles aus mehreren Perspektiven beleuchtet, denn – das ist eine Grundüberzeugung von Baur – „Geschichte hängt immer vom Blickwinkel ab, aus dem sie erzählt wird.“

Museum Friedland, Ausblick aus dem Anbau, Fotograf: Swen Pförtner

In welcher Gesellschaft wollen wir leben? Einbindung der Besucherinnen und Besucher

Doch Baurs Projekte beschränken sich keineswegs auf das Themenfeld der Migration. Vor nur einem Monat eröffnete er im Museum der Arbeit in Hamburg eine Ausstellung mit dem schlichten Titel „Das Kapital“  – anlässlich des 150-jährigen Jubiläums der Erstveröffentlichung des ersten Bandes des Kapitals von Karl Marx im Hamburger Verlag von Otto Meissner. Wieder spannt Baur einen großen Bogen: von der Zeit der Entstehung des Werks im 19. Jahrhundert über die widersprüchliche Rezeption im 20. Jahrhundert bis zu heutigen Fragen der Produktion und Verteilung von Reichtum und Armut. Und wieder geht es ihm um Partizipation, Teilhabe und unterschiedliche Perspektiven. Dabei wirft die Ausstellung große gesellschaftspolitische Fragen auf: „In welcher Gesellschaft wollen wir leben? Führt Kapitalismus zu Freiheit und Wohlstand oder zu Unterdrückung, Ausbeutung und Krise? Wieso werden die Mechanismen des aktuellen Wirtschaftssystems so unterschiedlich bewertet? Welche Alternativen sind wünschenswert und möglich?“ Die gesammelten Meinungen und Positionen der Besucherinnen und Besucher zu diesen Fragen werden direkt in die Ausstellung eingebunden.

Ausstellung “Das Kapital” – Ansicht aus dem Raum “diskutieren”, Copyright: Stiftung Historische Museen Hamburg

Kein Heldenkult

In Göttingen sind Joachim Baur und Charlene Lynch aber wohl vor allem mit ihrer Ausstellung „on/off. Vom Nobelpreis und den Grenzen der Wissenschaft“ bekannt – eine der letzten Teaser-Ausstellungen zum Forum Wissen. Ausgangspunkt war die Verleihung des Nobelpreises für Chemie 2014 an den Göttinger Physiker Stefan Hell für die Entwicklung superauflösender Fluoreszenzmikroskopie. Doch die Ausstellung beschränkte sich nicht auf dieses Ereignis oder die wissenschaftliche Arbeit Hells, sondern warf von hier ausgehend grundlegende Fragen auf: Welche Wege und Irrwege müssen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler gehen, um erfolgreich zu forschen? Wie steht es um Konkurrenz und Anerkennung im System Wissenschaft? „Uns war es wichtig“, so Baur, „nicht das Bild und den Kult des einsamen Genies zu reproduzieren, sondern die Praxis des Wissen-Schaffens in den Mittelpunkt zu stellen. Der einzelne Fall wird so zum Ausgangspunkt für Fragen von übergreifender Bedeutung.“

Ausstellung “on/off – Vom Nobelpreis und den Grenzen der Wissenschaft”, Raumansicht der Einheit “System Wissenschaft”, Fotograf: Jan Vetter

Wie entsteht Wissen? 

Genau diese Perspektive wird auch die Basis-Ausstellung im Forum Wissen prägen – so viel wird schon in dem grundlegenden Konzept deutlich, das Joachim Baur gemeinsam mit der Zentralen Kustodie im Jahr 2015 erarbeitet hat. Der Fokus der Ausstellung, die sich über 1.300 qm und 2 Stockwerke erstreckt, liegt auf dem Wissen-Schaffen. Wie und wo entsteht wissenschaftliches Wissen? Wer ist daran beteiligt? Welche Dinge, Menschen, welche Konstellationen? Wie haben sich die Praktiken der Wissenserzeugung verändert? Welche historischen Kontexte spielten eine Rolle? Und welche gesellschaftliche Bedeutung kommt Wissenschaft früher und heute zu?

Räume des Wissens, Entwurf erstes Obergeschoss Forum Wissen

Räume des Wissens

Als ein Parcours durch 13 Räume des Wissens wird die Basis-Ausstellung diese und andere Fragen immer wieder neu beantworten. Schon jetzt steht fest, dass sie uns durch typische und altbekannte Räume des Wissens führen wird, wie etwa den Schreibtisch, den Hörsaal, die Bibliothek oder das Labor, aber auch durch eher ungewöhnliche oder gar metaphorische, wie beispielsweise die Reise, den Markt, den Holzweg, den Rand und die Badewanne. Und immer werden dabei zwei Grundhaltungen eine Rolle spielen: die Vielfalt der Perspektiven und die Vernetzung von Lokalität und Globalität sowie von Einzelbeispiel und übergeordneten Fragen. Als eine Art Visitenkarte wird diesen beiden Grundhaltungen am Anfang der Ausstellung jeweils ein Raum gewidmet sein.

Das grobe Gerüst also steht; nun gilt es, dieses zu füllen – mit Objekten, Geschichten, Inszenierungen, Filmen und Fotos, Text und Bild. Schritt für Schritt werden die „Räume des Wissens“ von einer Idee zu einer fertigen Ausstellung werden. Bleiben Sie dabei und erfahren Sie auf dem Blog nicht nur vom Wissen-Schaffen, sondern auch vom Ausstellungs-Schaffen!

Judith Blume ist Referentin für Ausstellen in der Zentralen Kustodie an der Universität Göttingen.

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Ausstellung Sammlung

Ausstellung “Aus der Erde” – Der Göttinger Wal bekommt Gesellschaft

Gert Tröster nimmt routiniert Maß. Eine etwa drei mal zwei Meter breite Fläche muss geräumt werden. Wenig Platz für einen Wal.

Der Göttinger Pottwal.

Dr. Gert Tröster ist Kustos, Wächter ganz im lateinischen Wortsinn. Worüber er wacht sind 120.000 präparierte Tiere. Unter seiner Ägide schlummern winzige Flusskrebse, eingelegt in Alkohol, ebenso wie pelzige Orang-Utans – drapiert, als würden sie gerade über Äste klettern.

Auch das tonnenschwere Skelett eines Pottwals gehört zur Sammlung. Eine ganze Wand musste damals aufgestemmt werden, um den Riesensäuger in das dritte Stockwerk des Zoologischen Museums zu zwängen. Dieser Wal soll nun Gesellschaft durch einen Artgenossen bekommen. Nicht aus Knochen, sondern aus Acrylfarbe und Leinwand.

Dr. Gert Tröster in der Werkstatt der zoologischen Sammlung.
Dr. Gert Tröster in der Werkstatt der zoologischen Sammlung.

Die Geburt eines Wales

Ammar Hatem arbeitet tief verborgen in den Kellergewölben des Kultur- und Aktionszentrums Göttingen. Bannt durch seinen Pinsel in Mixed Media Technik konzentriert Insekten wie Fledermäuse auf die Leinwand. „Bereits als Kind hat mich das Tierreich fasziniert. Stundenlang habe ich durch Tieratlanten geblättert“, erklärt der 25-jährige syrische Künstler die Triebfeder seines Schaffens. „Sie mit der Malerei einzufangen ist sozusagen mein Lebenstraum.“

Schon seine Abschlussarbeit an der Universität von Damaskus hatte die Evolution zum Thema. Ammar zeigt sie auf seinem Handy, denn die Bilder selbst lagern noch immer im Bürgerkriegsland.

Es ist diese Faszination, die den jungen, sportlich wirkenden Syrer mit dem Kustoden Tröster verbindet. Der einzigartige evolutionäre Weg des Wals hat es ihm besonders angetan. Aus dem Meer ans Land und danach zurück ins Meer – der Wal ist wie fast kein anderes Säugetier auf das Leben im Wasser ausgerichtet. Er kann, wie sonst nur noch die Seekuh, sogar seine Jungen im Wasser gebären.

Ammar Hatem in seinem improvisierten Atelier.
Ammar Hatem in seinem improvisierten Atelier.

Wo Kunst und Kustodie sich treffen

Die Wassergeburt der Waljungen. Auch ein Thema über das Tröster den ganzen Tag schwärmen könnte. Die Begeisterung des altgedienten Kustos hat schon etwas physisch Ansteckendes.

Warum er sich immer wieder dazu entschließt seine kostbare Sammlung auch für die Kunst zu öffnen? „Was Ammar macht und was wir hier machen, ist eigentlich gar nicht so verschieden“, erklärt Tröster. „Wir stellen beide Tiere dar. Ein Präparat ist ja auch nur ein Abbild des lebendigen Tieres.“

Dann verweist Tröster mit lockerer Geste auf eine Reihe von Affenpräparaten, die gerade in der vollgestellten Werkstatt für das Publikum aufgearbeitet werden. Als die ersten Affenfelle nach Göttingen kamen, vor über hundert Jahren, hätten viele der Präparatoren nie einen lebendigen Affen gesehen. Damit war das Präparieren, nur ausgehend von einer Außenhaut auch immer ein kreativer Prozess des Vermutens und Ableitens.

„Ist ein gemaltes Bild da etwas so Grundverschiedenes?“

Die Werkstatt der zoologischen Sammlung.
Die Werkstatt der zoologischen Sammlung.

Alle Bilder: Max Leonard Remke

 

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Aus der Erde. Eine künstlerische Intervention zur Evolution der Wale

Eröffnungsmatinée: 15. Oktober 2017, 11 Uhr
Kustos Dr. Gerd Tröster und Künstler Ammar Hatem im Gespräch

Ort: Zoologisches Museum, Berliner Str. 28
Laufzeit der Ausstellung: 15. Oktober 2017 bis 14. Januar 2018

Öffnungszeiten: sonntags, 10 bis 16 Uhr

Weitere Informationen

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Ausstellung Sammlung

Da steckt der Wurm drin…

Unser Wurm steckte tatsächlich in einem Präperateglas und war in Alkohol eingelegt. Aber das ist bei Würmern nicht der Normalfall. Für gewöhnlich leben sie – wie jeder weiß – im Boden. Und um den Boden, oder vielmehr um die Bodenkunde, ging es in der vergangen Woche bei der Verleihung des CULTURA-Preises, die wir mit einer Mini-Ausstellung begleitet haben.

Unterschiedliche Perspektiven auf den Boden

Der CULTURA-Preis der Alfred-Töpfer-Stiftung wird jedes Jahr an der Georg-August-Universität Göttingen für besondere wissenschaftliche Leistungen in den Gebieten Naturschutz, Land- und Forstwirtschaft verliehen. Und jedes Jahr steuern wir eine kleine Ausstellung bei, die das Forschungsthema des Preisträgers aufgreift. Da in diesem Jahr der „Boden-Brücken-Bauer“ Prof. Dr. Georg Guggenberger den Preis bekam, haben wir in uns in den Universitätssammlungen umgeschaut und einige interessante Objekte zum Thema “Boden” gefunden. Der ein oder andere Wurm war auch dabei.

Die Ausstellung wird aufgebaut.
Die Ausstellung wird aufgebaut. Drei präperierte Würmer haben ihren Weg in die Vitrine schon gefunden.

Wie in den vergangen Jahren haben wir auch diesmal versucht, ein wenig um die Ecke zu denken und die Exponate aus den unterschiedlichen Sammlungen so auszuwählen, dass sie eine andere Perspektive auf das Thema ermöglichen. Und was könnte passender sein, bei einem Preiträger der insbesondere deshalb ausgewählt wurde, weil er “Fachdisziplinen, Nationen und Bevölkerungsgruppen überwindet” (Zitat aus des Cultura-Kuratoriums) und so Brücken baut.

Zur diesjährigen Preisverleihung wählten wir Objekte aus der Agrarpedologie (Bodenkunde), dem Zoologischen Museum und der Niedersächsischen Staats- und Universitätsbibliothek Göttingen aus. Mit einem ca. zwei Meter hohen Lackprofil vom Hohen Hagen bei Dransfeld war ein klassisches Objekt der Bodenkunde im Foyer des Zentralen Hörsaalgebäudes der Universität zu sehen und holte die Umgebung Göttingens an den Tagungsort. Ein Lackprofil zeigt naturgetreu den Aufbau der unterschiedlichen Schichten im Boden.

Ein Teil des Hohen Hagens zu Besuch in Göttingen. Lackprofil aus der Agrarpedeologischen Sammlung

 Boden und Würmer

Ein grundlegendes Buch von Charles Darwin lenkte unseren Blick auf die alltäglichen, kleinen Bodenbewohner: die Regenwürmer. In seinem Buch Die Bildung der Ackererde durch die Tätigkeit der Würmer, das 1882 erschien, hatte Darwin die Bedeutung der Regenwürmer betont und sie so vom Ruf der Schädlinge befreit. Zwei Nasspräparate von Würmern, eine Wurmnachbildung sowie zwei anatomische Lehrtafeln veranschaulichten Anatomie und Lebensweise der Würmer.

Die Preisverleihung fand im Rahmen der Jahrestagung der Deutschen Bodenkundlichen Gesellschaft Deutschland im Zentralen Hörsaalgebäude der Universität Göttingen statt. Zu sehen sind Objekte aus der Zoologischen Sammlung, der Agrarpedeologie (Bodenkunde) und der Staats- und Universitätsbibliothek Göttingen

Chemie und Boden

Viel Aufmerksamkeit erregte auch die ausgestellte Erstausgabe eines richtungsweisenden Buches von Justus von Liebig aus dem Jahr 1840. In seinem Werk mit dem Titel Die organische Chemie in ihrer Anwendung auf Agricultur und Physiologie – kurz Agriculturchemie genannt – hob Liebig die Bedeutung der Mineraldüngung für Qualität und Ertrag der Pflanzen hervor. Das Buch erschien in  mehreren Auflagen und wurde in zahlreiche Sprachen übersetzt. In unserer Vitrine lag es neben einem Modell zur Feinbodenstruktur, das eine 70-fache Vergrößerung darstellt.

Feinbodenstruktur in 70-facher Vergrößerung: Von allen Seiten einzigartig

Beim Boden, so scheint es, muss man genau hingucken!

 

Die Autorin Amelie May ist Praktikantin im Rahmen des Programms “Wissensdinge online”. Gemeinsam mit anderen Studierenden aus unterschiedlichen Disziplinen unterstützt sie die Digitalisierung der Göttinger Sammlungen. Außerdem ist sie während ihres Praktikums als “rasende Reportin” in den Sammlungen unterwegs.

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Ausstellung Forum Wissen

DingeDenkenLichtenberg: Ein Gespräch mit Kurator Steffen Hölscher

Noch bis zum 3. Oktober 2017 ist die Ausstellung „DingeDenkenLichtenberg“ in der Paulinerkirche zu sehen. Steffen Hölscher ist Historiker und Kurator der Ausstellung. Ihn haben wir getroffen und gefragt, was Besucherinnen und Besucher in der Ausstellung der SUB Göttingen erwartet.

Ausstellungskurator Steffen Hölscher (rechts) neben seinem Kollegen Dr. Christian Fieseler bei den Aufbauarbeiten der Ausstellung. Foto: Martin Liebetruth

Herr Hölscher, worum geht es in „DingeDenkenLichtenberg“?

Die Ausstellung hat zwei thematische Schwerpunkte: Zum einen natürlich Georg Christoph Lichtenberg selbst, der in diesem Jahr seinen 275. Geburtstag gefeiert hätte. Wenn sein Name fällt, denken viele Menschen an den Schriftsteller und Aphoristiker Lichtenberg oder an Lichtenberg als Physikprofessor. Im Rahmen der Ausstellung versuchen wir den Blick zu erweitern und Lichtenberg als einen typischen Vertreter des 18. Jahrhunderts vorzustellen, der die individuellen Möglichkeiten seiner Zeit auf ganz eigene Art und Weise genutzt hat. Seine Epoche, die schon er und seine Zeitgenossen als Zeitalter der „Aufklärung“ bezeichneten, ist also der zweite Themenschwerpunkt der Ausstellung.

Blick in den Ausstellungsraum in der Paulinerkirche. Foto: Martin Liebetruth

Was gibt es in der Ausstellung zu entdecken?

Jede Menge! Erstmals bei einer Göttinger Ausstellung haben wir uns fast ausschließlich auf Exponate zweier Göttinger universitärer Sammlungen konzentriert: einerseits auf Lichtenbergs physikalische Instrumente, die zum Teil im Physicalischen Cabinet überliefert sind, und andererseits auf seinen schriftlichen Nachlass, der in der Niedersächsischen Staats- und Universitätsbibliothek Göttingen verwahrt wird, also zum Beispiel Briefe, Vorlesungsmanuskripte, Notizbücher und -zettel. Aus der Kombination beider Objektgruppen ergeben sich spannende Einblicke in Lichtenbergs Denken und Arbeiten, in seine Pflichten und Aufgaben als Universitätslehrer oder seinen privaten Alltag. Eine Luftpumpe kann so beispielsweise eine Geschichte über Entwicklungen in der Physik der Frühen Neuzeit erzählen. Sie wirft aber auch ein Licht auf Lichtenbergs finanzielle Anstrengungen beim Instrumentenkauf oder sein Verhältnis zu Instrumentenbauern und Mechanikern in seinem Umfeld.

Schwungmaschine, Naire & Blunt, London, etwa 1782. Foto: Martin Liebetruth

Welchen Aspekt an Lichtenbergs Leben und seiner Arbeit finden Sie persönlich spannend?

Lichtenberg selbst verstand sich als natural philosopher, der Naturlehre (Physik) und Philosophie stets als Einheit sah. Diese Einstellung ließ ihn sein Leben lang bestimmten Prinzipien folgen: alles präzise beobachten, alles genauestens aufschreiben, und dabei keinen Unterschied machen zwischen einem physikalischen Phänomen, einer Beobachtung unter Professorenkollegen oder einem Theaterbesuch. Seine Notiz- und Arbeitsbücher – vielen als die sogenannten Sudelbücher bekannt – zeigen Lichtenbergs Umgang mit solchen Beobachtungen: Notizen über wissenschaftliche Texte oder Alltagsbeobachtungen regen ihn zur konkreten Weiterverarbeitung und Gedankenexperimenten an. Vieles denkt er dabei nur an, seine Phantasie hinsichtlich der menschlichen und wissenschaftlichen Möglichkeiten ist jedoch nahezu grenzenlos. Einen Eindruck davon bekommen die Besucherinnen und Besucher der Ausstellung, wenn sie in Lichtenbergs digital aufbereiteten Notizheften blättern oder an den Hörstationen seinen Texten lauschen.

Gregory-Teleskop, Göttingen, vor Sommer 1788. Foto: Martin Liebetruth

An wen richtet sich die Ausstellung und was macht einen Besuch in ihren Augen besonders lohnenswert?

„DingeDenkenLichtenberg“ richtet sich an die breite interessierte Öffentlichkeit, in besonderem Maße natürlich an wissenschaftlich oder wissenshistorisch interessierte Menschen, in jedem Fall auch an ein internationales Publikum, denn die Ausstellung ist durchgehend zweisprachig (deutsch und englisch). Auf verschiedenen Ebenen und durch die besondere Kombination von Lichtenbergs physikalischen Instrumenten und seinem schriftlichen Nachlass öffnen sich Einblicke in das Leben eines Gelehrten in der zweiten Hälfte des achtzehnten Jahrhunderts, in seine Gedankenwelt, seine Verbindungen zur Universität und zu anderen wissenschaftlich Interessierten. Besucherinnen und Besucher können so den Facettenreichtum Lichtenbergs – der auch in seinem Verständnis viel mehr als „nur“ Physiker oder Schriftsteller war – kennen lernen und erhalten zudem einen Eindruck davon, was „Aufklärung“ für einen Menschen vor mehr als 200 Jahren konkret bedeutete.

Parallel zur Ausstellungseröffnung ist auch ein gleichnamiger Katalog erschienen. Was können Sie uns darüber verraten?

Der Katalog versammelt eine Auswahl der gezeigten Exponate und die dazugehörigen Erläuterungen. Zudem bietet er die Möglichkeit, den Gang durch die Ausstellung noch einmal am heimischen Schreibtisch oder im Lesesessel nachzubereiten – diese Möglichkeit bietet in anderer Form auch die virtuelle Ausstellung, die unter lichtenberg.gbv.de besucht werden kann. Diese ermöglicht eigene Recherchen zu Lichtenberg und seiner Zeit. Auch der Katalog ist übrigens zweisprachig und kann über die Seite des Universitätsverlags auch als pdf abgerufen werden.

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Wir wollen’s wissen!

Machen Sie mit bei der Entstehung eines einzigartigen Wissensmuseums in Göttingen. Zeigen Sie mit der Forum Wissen-Brille, dass Sie das Forum Wissen unterstützen – so wie unsere Botschafter im Video.

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Hinter den Kulissen

Fundraising für das Forum Wissen – 5 Fragen an Katharina Kastendieck

Viele Gesichter und Berufe arbeiten an der Umsetzung des Forum Wissen. In der neuen Blogserie „5 Fragen an… “ stellen wir Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Universität vor, die am Projekt beteiligt sind. Den Auftakt macht Katharina Kastendieck, die als Leiterin des Bereichs Fundraising für die Finanzierung des Forum Wissen sorgt.

Katharina Kastendiek (rechts) mit Förderkreis-Mitglied und Forum Wissen-Unterstützerin Susanne Heller
Katharina Kastendieck (rechts) mit Förderkreis-Mitglied und Forum Wissen-Unterstützerin Susanne Heller. Foto: Christoph Mischke

1. Was ist eigentlich Fundraising?

Fundraising, das heißt zunächst ganz allgemein: Mittel einwerben. Am Beispiel des Forum Wissen lässt sich ganz gut zeigen wie vielfältig die Aufgabe ist. Wir werben öffentliche Mittel ein, also Bundesmittel und Landesmittel. Wir wenden uns an Stiftungen. Wir gewinnen Sponsoren, also Unternehmen, meist aus der Region, uns zu unterstützen. Und wir sprechen private Spender an – dabei spielen auch unsere Alumni eine wichtige Rolle.

Fundraising heißt für mich aber vor allem: Begeisterung für unsere Projekte schaffen und die Leute mit einbeziehen. Denn wir bekommen die Unterstützung, die wir brauchen, nur, wenn andere auch den gesellschaftlichen Nutzen unserer Projekte sehen und die Universität als wichtige Institution wahrnehmen. Dafür setzen wir uns auch ein und betreiben viel Kommunikations-, Netzwerk- und Lobbyarbeit.

Ich finde den Begriff des Engagements für unsere Arbeit sehr passend, weil er ausdrückt, dass es ein beidseitiges Geben und Nehmen ist: Wir als Universität engagieren uns und zeigen, was wir für die Gesellschaft tun. Wenn das deutlich wird, sind wir in einer guten Position, um Engagement für die Universität einzuwerben.

2. Seit wann bist du an der Universität und wie bist du zu deinem Job gekommen?

Ich bin seit 2014 Leiterin des Universitätsfundraisings. Zuvor habe ich im Bereich der Kultur- und Tourismusentwicklung gearbeitet und dabei festgestellt, dass mich die Anschubphase von Projekten am meisten reizt. Darum finde ich meine Aufgabe so spannend, denn hier geht es genau darum: Dinge auf den Weg zu bringen.

Und tatsächlich war das Forum Wissen ein wichtiger Grund für mich, an der Universität anzufangen. Da ich häufig mit dem Zug nach Göttingen gereist bin, kannte ich den Spruch „Stadt, die Wissen schafft“ und als ich dann bei der Nacht des Wissens zum ersten Mal von der Idee für das „Haus des Wissens“ – wie es damals noch hieß – gehört habe, dachte ich: Das ist genau das, was Göttingen braucht – da will ich dabei sein.

3. Welche Rolle spielt Fundraising für das Forum Wissen?

Als Universität sind wir für das Forum Wissen auf Fundraising-Mittel besonders angewiesen, weil wir mit dem Museum über unsere klassischen Aufgaben hinausgehen. Wir wollen nicht mehr nur „Elfenbeinturm“ sein, sondern in einen Dialog mit der Öffentlichkeit treten. In den Kernaufgaben der Universität – Forschung und Lehre – war das bisher nicht vorgesehen, auch nicht im Haushalt. Wir finden es aber wichtig, dass sich die Universität gegenüber der Gesellschaft öffnet, ohne dass die bisherigen Aufgaben der Universität darunter leiden. Das Forum Wissen wäre ohne Fundraising undenkbar.

4. Was ist der aktuelle Stand bei der Finanzierung des Forum Wissen?

Wir sind auf einem sehr guten Stand . Als wir am Anfang des Fundraising-Prozesses standen, haben wir uns erst mal gefragt: Wo sehen wir das größte Potenzial für die Mitteleinwerbung? An erster Stelle standen da die öffentlichen Mittel. Dank der Unterstützung der Göttinger Bundestagsabgeordneten waren wir sehr erfolgreich. Wir bekommen ungefähr zehn Millionen Euro vom Bund. Nach diesem Etappensieg haben wir uns an das Land Niedersachen gewandt. Wir haben ca. vier Millionen Euro beantragt und werden die mit hoher Wahrscheinlichkeit auch bekommen. Interessanterweise ist es nicht das Ministerium für Wissenschaft und Kultur, das uns hierbei fördern wird, sondern das Wirtschaftsministerium. Soweit ich weiß, sind damit deutschlandweit die erste Hochschule, die für eine universitäre Einrichtung Tourismusförderung bekommen wird.

Nachdem wir so das Grundkapital gesichert hatten, haben wir im zweiten Schritt Stiftungen angesprochen: Wir freuen uns sehr über eine Zusage der Niedersächsischen Sparkassenstiftung, die uns – gemeinsam mit der Sparkasse Göttingen – mit einer halben Millionen Euro unterstützen wird. Auch die Stiftung Niedersachsen ist im Boot. An mehrere weitere Stiftungen haben wir Förderanträge gestellt und warten jetzt auf Rückmeldungen. Besonders dankbar sind wir für die große Unterstützung der regionalen Wirtschaft und erster Großspender – darüber verrate ich aber jetzt noch keine weiteren Details.

5. Wie geht es jetzt weiter mit dem Fundraising fürs Forum Wissen?

Nachdem wir den größten Teil der Finanzierung gesichert haben und uns sicher sind, dass wir das Projekt realisieren können, möchten wir ab Herbst 2017 eine Spendenkampagne in Göttingen starten. Wir möchten Göttinger Bürgerinnen und Bürgern sowie unseren Alumni die Möglichkeit bieten, Teil des Forum Wissen zu werden, indem sie uns helfen, gemeinsam einen Teilbetrag zu stemmen. Wir hoffen, dass wir möglichst viele Spender mit unserer Begeisterung für das Forum Wissen anstecken können. Denn wenn viele Unterstützer jeweils einen kleinen Betrag geben, haben wir das nötige Geld schnell beisammen. Ich selbst werde natürlich auch meinen Beitrag leisten, denn als Fundraiserin muss ich mit gutem Beispiel voran gehen und zeigen wie wichtig auch mir das Projekt ist.

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