Das imposante Pottwal-Knochen-Puzzle hat ein Ende gefunden. Jetzt hängt das Pottwal-Skelett sicher an der Decke des Atriums im Forum Wissen. Wir freuen uns riesig über dieses großartige Exponat und wollen den neuen Einzug des Wals mit euch feiern. Am Sonntag, 19. März, bei uns im Forum Wissen könnt ihr das Pottwal-Skelett live erleben und viele interessante Dinge über Pottwale erfahren.
Der Aktionstag beginnt um 11 Uhr mit Kurzvorträgen von Expert*innen, die den Wal schon lange begleiten – wie der Präparator Carsten Wortmann. Auch für Maria Teresa Aguado gehören Pottwale zu den beeindruckendsten Tieren. Die Direktorin des zukünftigen Biodiversitätsmuseums wird am Sonntag nicht nur auf den Walaktionstag einstimmen, sondern auch Einblicke in ihre ganz besondere Beziehung zu dem ‚Göttinger‘ Wal geben. Darüber hinaus gibt es am Aktionstag viele Angebote für unsere jüngsten Gäste, unter anderem eine Wal-Rallye und Bastelaktionen. Auch der Shop und das Café Liesels …könnt ihr ab Sonntag wieder besuchen und dabei das Highlight der Zoologischen Sammlung aus nächster Nähe betrachten.
3, 2, 1 …
Das mit Abstand größte Objekt im Forum Wissen ist jetzt schon ein Publikumsliebling. Das zeigen auch die zahlreichen Bilder, die uns zum Malwettbewerb ‚Walheimat Göttingen‘ erreicht haben. Insbesondere Kinder und Jugendliche haben sich von unserem Aufruf inspirieren lassen. Dabei haben sich nicht nur Göttinger*innen an dem Wettbewerb beteiligt: uns haben sogar Beiträge aus Schweden und Spanien erreicht!
Viele der Teilnehmenden haben Ihre Bilder gespendet und zur Versteigerung freigegeben. Die Stille Auktion ist aktuell in vollem Gange. Dabei können Bildspenden des Malwettbewerbs ersteigert werden, der Erlös finanziert die Arbeiten rund um den Wal. Die Stille Auktion ist aktuell in vollem Gange. Eine Teilnahme ist bis zum 14. April möglich. Geboten werden kann vor Ort und online.
Der ‚Göttinger Wal‘ in euren Bildern
Alle der über 500 eingereichten Bilder aus Göttingen und der ganzen Welt sind noch bis zum 14. April 2023 auf der Sonderausstellungsfläche im Forum Wissen zu betrachten. Diesen Sonntag findet beim Walaktionstag ab 13 Uhr die große Preisverleihung des Malwettbewerbs ‚Walheimat Göttingen‘ statt. Ein Besuch lohnt sich!
Final Countdown! Auf dem YouTube-Kanal der Uni Göttingen könnt ihr mitverfolgen, wie der Wal bei uns im Forum Wissen nach der Restaurierung in Holtensen wieder zusammengebaut und aufgehängt wurde. Wir wünschen euch viel Freude dabei!
Neue Einblicke in das Sammlungsschaufenster im Forum Wissen!
Die Yams-Maske
Die Yams-Maske der Bevölkerungsgruppe der Abelam wurde in den 1970er Jahren auf Papua-Neuguinea hergestellt und erworben. Befragt habe ich dazu die ehemalige Ethnologie-Professorin Brigitta Hauser-Schäublin, die dieses Objekt den Abelam damals nach einem einjährigen Aufenthalt in einem der Dörfer für die Ethnologische Sammlung der Universität Göttingen abgekauft hatte. Da Frau Hauser-Schäublin nicht systematisch gesammelt habe, hätte sie letztlich eines der vielen Kaufangebote nur deshalb angenommen, um den Abelam ihre Wertschätzung auszudrücken. Der Kauf diente diesen als Tauschgut, da sie sich normalerweise ohne Geldwirtschaft selbst versorgen. Wie mir Frau Hauser-Schäublin erzählte, wird die Yams-Pflanze heute sogar im Supermarkt in Göttingen angeboten!
Die Abelam und ihre Zeremonial-Yams
Die Abelam leben in den südlichen Ausläufern des Küstengebirges im Nordosten der Insel Neuguinea, im heutigen Staat Papua-Neuguinea. Sie sind im Maprik-Distrikt zuhause und zählen rund 70.000 Menschen, leben vom Feldbau und züchten an steilen Hängen rund 70 verschiedene Sorten von Yams. Yams ist das Grundnahrungsmittel der Abelam und wird von Männern und Frauen gemeinsam angebaut. Daneben züchten Männer besonders lange, bis zu drei Meter lange Exemplare.
Detail der Yams-Maske der Ethnologischen Sammlung der Universität Göttingen im Sammlungsschaufenster [Forum Wissen]
Eine Maske mit mythischer Bedeutung
Solche außergewöhnlich langen Yamsknollen werden mit besonderen Masken geschmückt und auf dem Kultplatz im Dorf aufgestellt. Diese Masken werden wiederum von den Frauen aus der Yams-Pflanze hergestellt, die die Männer als Yamszüchter dann ausstellen. Das menschenähnliche Gesicht verweist auf die symbolische Identität von Yams, Mensch und Ahnenwesen, wie dies in Mythen vom „Yamskind“ geschildert wird. Neben geflochtenen Masken werden auch geschnitzte verwendet. Mannigfaltiger Schmuck, wie Federn, Blüten, Schalen von Meeresschnecken und Bemalung, vervollständigen das menschenähnliche und beseelte Wesen. Nur Männern mit besonderem Geschick gelingt es, außergewöhnlich lange Exemplare zu züchten, die dann anlässlich eines Wettbewerbs nach der Erntezeremonie an ihren jeweiligen Rivalen übergeben werden.
Und wie ist die Yams-Maske aufgebaut? Die Maske ist filigran gearbeitet und besteht aus beigen Pflanzenfasern. Das Gesicht ist entlang einer vertikalen Linie von der Stirn bis zum Kinn symmetrisch aufgebaut; die Augen sind konzentrisch angelegt und vermitteln einen fast hypnotischen Blick. Typisch ist der scheibenartige Kopfschmuck, wie ihn auch Männer beim Tanz tragen. Die Maske ist schwarz, weiß, rot und gelb bemalt. Sie wurde nie benutzt. Zu betrachten ist die Maske derzeit im Sammlungsschaufenster im Forum Wissen.
Yams-Maske der Ethnologischen Sammlung der Universität Göttingen im Sammlungsschaufenster [Forum Wissen] Detail der Yams-Maske der Ethnologischen Sammlung der Universität Göttingen im Sammlungsschaufenster [Forum Wissen]
Die Entstehung der Ethnologischen Sammlung der Universität Göttingen reicht bis in das 18. Jahrhundert zurück. Die mittlerweile rund 19.000 Objekte und Dokumente kommen aus Ozeanien, Australien, Asien, Afrika, Nord- und Südamerika sowie Europa.Die Ethnologische Sammlung ist Teil des Instituts für Ethnologie, an denen die Studiengruppen forschen.Einige der Objekte sind bei uns im Sammlungsschaufenster zu bewundern.
Bell & Howell-Projektor für 16-mm-Filme. Die Audiospur liegt als sogenannter Lichtton mit auf der Rolle.
Mit diesem Gerät fing alles an: Deshalb stellt Carolin Pilz den 16-mm-Projektor auch gut sichtbar ins Sammlungsschaufenster des Forum Wissen. „Der Projektor ist das Gründungsobjekt des Göttinger Filmarchivs“, erklärt die Studentin stolz. Damit hat der Archäologe Tom Stern Filme gezeigt – nicht nur zu Forschungszwecken, sondern auch in vielen Schulen oder Museen. Kaum vorstellbar, dass dieses 20 Kilo schwere Gerät jahrzehntelang als mobiles Kino beliebt war. Gerade weil es so gut zu handhaben, leicht beweglich und robust war. „Für mich ist das ein doppelter Blick in die Vergangenheit“, erzählt Carolin weiter: Denn sie erfährt durch solche Objekte nicht nur, wie die Vorführpraxis vor allem in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts war. Auch die Filme selbst sieht sie gern.
Antike im Film
Denn das wollte der Archäologe und Filmforscher Tom Stern (1958–2016) wissen: Welches Bild vom Altertum erzeugt ein Film? Wie und warum werden die Geschichten erzählt? Auch Ausgrabungen hielt der Forscher im Bewegtbild fest und schuf so besondere Einblicke in wissenschaftliches Arbeiten. Carolin studiert selbst Geschichte und Klassische Archäologie und findet diese andere Art des Zugangs zu ihren Fächern enorm erfrischend.
Filmrollen, VHS-Kassette und der letzte Film von Tom Stern, den Regisseur Enzio Edschmid fertiggestellt hat.
Auch Martin Lindner, der Kurator der Sammlung Stern, freut sich über diesen Türöffner: „Noch sind nicht alle Objekte unseres Archivs digitalisiert. Mit so einem Projektor können wir Filme, die 50 oder 60 Jahre alt sind, sogar unter Originalbedingungen zeigen.“ Und damit ein wenig in die Kinoatmosphäre dieser Zeit eintauchen.
Leidenschaft: Sammeln
Das scheint umso wichtiger, je mehr die Antike aus den Lehrplänen des Unterrichts verschwindet. Doch das war wohl nur ein Grund, warum Tom Stern begann, Filme zu sammeln – vor allem jene, die er analysierte oder an denen er mitwirkte. Sein Nachlass ist heute der Grundstock des Altertumswissenschaftlichen Filmarchivs. Zu ihm gehören auch Sterns Bücher, Zeitschriften und Arbeitsmappen wie die zu Leo Frobenius – Ethnologe, Archäologe und Hauptfigur eines Stummfilms über die Ruinenstätte Groß-Simbabwe von 1929.
Zeugnisse der Filmgeschichte von Tom Stern sowie dem Kieler Regisseur und Archäologen Kurt Denzer (1939–2021).
Aber auch Klassiker wie „Indiana Jones“ oder moderne Terra X-Sendungen schlummern in der Sammlung, die längst über Sterns Aktivitäten hinausgewachsen ist.
Herzlich willkommen
Wer sich davon ein Bild machen möchte, besucht am besten das Sammlungsschaufenster im Wissensmuseum. Es ist aber auch möglich, den einen oder anderen Film zu schauen und sich auf die Suche nach den alten Zeiten zu begeben. In dem Fall bittet am besten Martin Lindner um einen Termin im Althistorischen Seminar der Uni Göttingen.
Blick ins Sammlungsschaufenster des Wissensmuseum.
Doch wer kennt die vielen Objekte aus den Laboren und Werkstätten, Bibliotheken und Büros der Uni Göttingen schon? Daher wollen wir euch einige von ihnen in den kommenden Wochen hier auf unserem Blog und auf Instagram, Facebook und Twitter vorstellen. Ihr könnt also gespannt sein. Soviel vorab: Alle Objekte kommen aus unseren über 40 Sammlungen. Ihr könnt sie im Sammlungsschaufenster sehen. Sie zeigen, wie an einer Universität geforscht und gelehrt wird.
Und wenn ihr selbst mehr über eine Sammlung erfahren möchtet, dann schreibt es uns in die Kommentare. Wir nehmen eure Fragen und Anregungen gern mit auf. Ansonsten freut euch auf den 6. März 2023. Dann starten wir und laden euch ein, jeden Montag mit uns einen Blick ins Schaufenster zu werfen. Los geht es mit der Sammlung Stern, dem Althistorischen Filmarchiv. Lasst euch überraschen!
The current debate on cultural property from colonial contexts also affects museums and academic collections of human remains. The “Sensitive Provenances Project” at the University of Göttingen aims to open up new avenues for the repatriation of human remains to former European colonies. More specifically, it addresses the human remains of 100 individuals from New Zealand, Palau, Tanzania and Cameroon that are currently housed in the Blumenbach Skull Collection and the Anthropological Collection of the University of Göttingen.
Te Herekiekie Herewini is the Head of Repatriation at the Museum for New Zealand Te Papa Tongarewa. He is one of the fellows involved in the project. In the following interview, he talks about the research he is doing in Göttingen, his connection with the human remains from Maori und Moriori communities in New Zealand and his country’s history of repatriation.
The audio includes a chant performed by Te Herekiekie Herewini to honour his ancestors whose human remains are currently still part of the Blumenbach collection in Göttingen.
Interview with Fellow Te Herekiekie HerewiniTe Herekiekie Herewini giving a Lecture at the University in Göttingen Credits: Sofia Leikam
Endlich ist es soweit! Der Einzug des Walskeletts ins Forum Wissen ist seit dieser Woche in vollem Gange und kann bei uns im Haus live mitverfolgt werden. Nach mehrjähriger Restaurierung in der Außenstelle des Zoologischen Museums der Universität Göttingen in Holtensen kommt der “Göttinger” Pottwal jetzt zurück ins Forum Wissen. Der 500 Kilo schwere Schädel wurde am Montag erfolgreich transportiert, kein leichtes Unterfangen! Nun folgt der Rest des insgesamt über 17 Meter langen Skeletts. Ein Team an Expert*innen arbeitet aktuell im Forum Wissen an der Deckenkonstruktion für die Anbringung des Wals im Atrium. Wir berichten auf unseren Social-Media-Kanälen über die weiteren Arbeiten und die neue “Walheimat” im Forum Wissen.
Nichts bleibt, wie es ist. Alles verändert sich. So lässt sich beschreiben, was sich in den vergangenen zwölf Monaten im neu eröffneten Forum Wissen abgespielt hat: Im Januar war hier noch weitgehend Baustelle.
Eingangsportal im Januar 2022
Dennoch begann das Team schon in dieser Zeit mit dem Aufbau der Basisausstellung „Räume des Wissens“. Ab März zogen die ersten Exponate in die Vitrinen ein. Pünktlich zur feierlichen Einweihung am 31. Mai waren dann auch die Ausstellungsgrafiken fertiggestellt und die rund 1.300 Objekte eingeleuchtet. An diesem Tag erkundeten 500 geladene Gäste aus Politik, Wissenschaft und Kultur die „Räume des Wissens“, unter ihnen Ministerpräsident Stephan Weil. Am langen Pfingstwochenende standen die Türen erstmals für die Allgemeinheit offen – 3.200 Menschen füllten das Forum Wissen an diesen drei Tagen endlich mit Leben.
Offizielle Einweihung mit geladenen Gästen
Die Resonanz der Besucher*innen ist auch weiterhin groß. Seit der Eröffnung haben fast 33.000 Kinder, Jugendliche und Erwachsene ihren Weg ins Forum Wissen gefunden. Die allermeisten von ihnen sind auf eigene Faust gekommen, nicht im Rahmen organisierter Führungen. Doch auch das Team der Kommunikator*innen, das sich aus knapp 20 Studierenden unterschiedlicher Fachrichtungen und Nationalitäten zusammensetzt, hat gut zu tun: Insgesamt führten sie bislang 377 Gruppen durch das Forum Wissen, die meisten von ihnen Erwachsene, darunter viele auf Betriebsausflug, aber auch zahlreiche Studierende und Schulklassen.
Blick in den Raum “Schreibtisch”
Die Rückmeldungen der Schüler*innen sind positiv: Zum Beispiel kommentiert Lisa von der Montessori-Schule im Besucherbuch „Ich freue mich, dass man hier Schönes und Nützliches verbinden kann: Wissen und Spaß“. Tatsächlich lädt der Raum Schreibtisch mit dem überdimensionalen Laptop Menschen jeden Alters zum Herumhüpfen auf der Tastatur ein. Die digitalen Angebote wie die Forum Wissen App und die Medientische werden gut angenommen, gerade von älteren Besucher*innen. Auch das Mini-Mathematikum erfreut sich großer Beliebtheit. Hier sind Kinder zwischen 3 und 9 Jahren eingeladen, Zahlen, Formen und Muster spielerisch zu entdecken.
Die Stationen im Mini Mathematikum werden regelmäßig durch neue Knobeleien ausgetauscht.
Das Forum Wissen steht allen offen. Das Team Bildung und Vermittlung arbeitet ständig daran, Angebote für die unterschiedlichsten Zielgruppen zu schaffen, um möglichst viele Menschen zu erreichen: So sind die Ausstellungstexte in deutscher und englischer Sprache sowie in weiten Teilen in Gebärdensprache und Leichter Sprache verfügbar. Das Forum Wissen bietet auch Führungen auf Deutsch, Englisch, Französisch und in weiteren Sprachen an. Demnächst ist auch der Katalog zur Basisausstellung “Räume des Wissens” in englischer Sprache erhältlich – sowohl in unserem Shop, als auch beim Wallstein Verlag.
Hands on-Station im Raum “Werkstatt”
Wir arbeiten auch daran, unser barrierefreies Angebot stetig auszubauen. Alle Gebäudeteile sind schwellenfrei und über Fahrstühle zugänglich. In den Ausstellungen laden verschiedene Hands-on-Stationen zum Tasten, Sehen, Hören und Riechen ein. Einige Stationen sind auch mit Rollstühlen unterfahrbar. Für Menschen mit Demenz wurde gerade ein spezielles Angebot entwickelt.
Schon im April 2022 hatte das Forum Wissen das Museumsgütesiegel 2022 bis 2028 des Museumsverbandes für Niedersachsen und Bremen erhalten. Das Konzept sei „beispielhaft vorbereitet“, heißt es in der Begründung der Jury. Besonders beeindruckend seien der wissenschaftskritische Ansatz und die Räume zur Selbstreflexion.
Unerwartete Nachbarschaften – Objekte im neu eröffneten Sammlungsschaufenster
Allein von Juni bis Dezember konnten Besucher*innen fünf Sonderausstellungen zu verschiedenen gesellschaftsrelevanten Themen besuchen. Und vor ein paar Tagen erst wurde das Sammlungsschaufenster im Atrium des Forum Wissen eröffnet. Es handelt sich um einen gläsernen Kubus mit 164 einzelnen Vitrinen, die mit Objekten aus den verschiedenen Sammlungen der Universität bestückt sind. Auf diese Weise werden hier die an den Fakultäten und Instituten angesiedelten Sammlungen exemplarisch an einem Ort zusammengeführt. Dabei trifft Gewöhnliches auf Seltenes, unerwartete Querverbindungen ermöglichen überraschende Assoziationen.
Café und Shop im Atrium haben sich dank des lichten Ambientes zu einem Raum entwickelt, in dem sich unsere Besucher*innen gerne aufhalten. Dort wird ab dem Frühjahr 2023 sogar „Whale Watching“ möglich sein, wenn das 15 Meter lange Pottwalskelett über den Köpfen der Besucher*innen schwebt.
Visualisierung des Pottwalskeletts im Atrium
Im nächsten Jahr freuen wir uns nicht nur auf den Einzug des Wals, sondern auch auf neue Sonderausstellungen, darunter „Voices“ über Sprachforschung an Kriegsgefangenen während des Ersten Weltkriegs mit einem Theaterstück, das das BoatPeopleProjekt eigens zum Thema konzipiert hat, und auf die Zusammenarbeit mit unseren Projektpartner*innen. Vor allem aber freuen wir uns auf die Begegnungen mit unseren Besucher*innen, mit denen, die zum ersten Mal hier sind und mit denen, die ein zweites oder drittes Mal kommen. Schließlich gibt es immer wieder Neues zu entdecken. Denn: Nichts bleibt, wie es ist.
Collage, die im Rahmen des Workshops entstanden ist
„Wir hatten gedacht, wir würden nur mit Texten und Gedichten arbeiten, dabei haben wir viel mehr gemacht!“, sagt Sarah, die zusammen vor kurzem mit ihrer Freundin Juna an „ Vom Tagtraum zum Traumtag“ teilgenommen hat. Der Workshop mit dem Schriftsteller und Slam Poeten Bas Böttcher wurde gemeinsam vom Forum Wissen in Kooperation mit dem Literarischem Zentrum Göttingen organisiert.
Die Formen, die die beiden Sechstklässlerinnen zusammen mit Samreen, Nuri, Zarak und den anderen Jugendlichen ausprobiert haben, waren vielfältig. Workshop-Leiter Bas Böttcher fasst den Begriff Sprache sehr weit: Beim Beatboxen haben die Teilnehmer*innen ihre Stimme als Percussion-Instrument eingesetzt, Songtexte verfasst und mit Unterstützung der Theaterpädagogin Karo Löwenstein Schauspieltechniken ausprobiert, um Gefühle ohne Worte auszudrücken. Außerdem haben Sarah und Juna lustige Memes zu Objekten aus dem Forum Wissen produziert.
„Mir hat sehr gefallen, dass wir im Vergleich zu dem, was man in der Schule macht, weit über den Tellerrand hinausschauen konnten“, sagt Sarah. Zuerst habe sie sich nicht getraut, das Beatboxen auszuprobieren. Gereizt habe es sie aber schon. Sie wartete also, bis alle weg waren und hat es dann einfach ausprobiert – an den folgenden Tagen dann sogar vor den anderen.
Bas Böttcher freut sich jedes Mal, wenn die Jugendlichen im Lauf des Workshops ein wenig aus sich rauskommen und sich auch mal was trauen. Er selbst lernt auch immer wieder von ihnen, sagt er – zum Beispiel den „Cup Song“, bei dem man mit Bechern einen Beat erzeugt.
Zum Abschluss fand auf Wunsch der Jugendlichen ein Comic-Workshop statt. Die Comic-Sprache ist wie die Comics selbst reduziert, aber ausdrucksstark. „Boom!“ „Krach!“ „Wumms!“ Die Jugendlichen hatten auch dabei viel Spaß.
Am letzten Tag waren Sarah und Juna fast schon traurig, dass der Workshop vorbei war. „Wir haben wirklich Neues gelernt, es war nicht einfach nur reine Beschäftigung“, sagt Sarah. „An manchen Tagen sind wir sogar länger geblieben und haben freiwillig Überstunden gemacht“, ergänzt Juna.
Bestimmt wird es im nächsten Jahr wieder Gelegenheit im Forum Wissen geben, mit Bas Böttcher Sprachkunst in vielfältiger Form zu produzieren. Unterstützt wurde die Kooperation im Rahmen des BMBF-geförderten Programms “Kultur macht stark” des Forum Wissen mit dem Literarischen Zentrum durch den Friedich-Bödecker-Kreis und durch den Evangelischen Verein für Dialog und Bildung e.V.
Welche Geschichten erzählt ein Smartphone? Welche Hoffnungen sind mit einem Paar abgelaufener Schuhe verbunden? Was bedeuten solche und andere Dinge für Menschen auf der Flucht? Wie kommt es, dass alltägliche Dinge so eine besondere Bedeutung bekommen? Unsere Sonderausstellung MOVING THINGS nähert sich den Themen Flucht und Migration, in dem sie einfache Dinge in den Fokus rückt.
Foto: Martin Liebetruth
Ein zentrales Objekt, das die Sonderausstellung untersucht, sind Schuhe. Diese unscheinbaren Alltagsgegenstände sind intime Zeugnisse von Flucht und Migration. Sind sie doch eng mit den Menschen verknüpft, die sie zum Schutz ihrer Füße trugen, während sie über Grenzen hinweg ihren Weg gegangen sind – oft trugen sie auch nicht nur die Menschen selbst, sondern auch ihre Hoffnung auf ein neues Leben, auf eine bessere Zukunft. Drei Fotografen haben ihren Blick auf die Schuhe von Geflüchteten und die ihnen eingeschriebenen Geschichten gelenkt.
Foto: Martin Liebetruth
Die Ausstellung widmet sich auch dem sinnlichen Thema Essen. Essen kann Verbindung schaffen zwischen Menschen, zum Beispiel wenn man zusammen kocht oder gemeinsam isst. Es kann aber auch zum Spannungsfeld werden, etwa wenn man sich an ungewohnte Kost und an festgelegte Essenszeiten gewöhnen muss. In Geflüchtetenunterkünften bewegen sich Migrant*innen zwischen Schutz und Fremdbestimmung – in kaum einem anderen Bereich wird das deutlicher als beim Thema Essen. Essen kann Menschen ausgrenzen, aber auch eine Brücke in die Heimat darstellen.
Foto: Martin Liebetruth
So etwas wie eine Brücke in die Heimat ist für viele Migrant*innen auch das Smartphone. Es ist häufig viel mehr als ein Kommunikationsmittel, verbindet es die Menschen, die unterwegs sind, doch mit allen und allem, was sie zurückgelassen haben – mit Familie und Freunden, mit der oft gehörten Lieblingsmusik. Das Smartphone wird so gewissermaßen zu einem Zuhause in der Hosentasche. MOVING THINGS wirft einen ganz neuen Blick auf diesen täglichen Begleiter.
Foto: Martin Liebetruth
Berührend ist auch das raumfüllende Schlauchboot, das so gezeigt wird, wie es 2017 von der Hilfsorganisation Sea Eye auf dem offenen Meer aufgefunden wurde – als graue, schlaffe Hülle, ohne Luft, ohne Leben, trieb es auf dem Mittelmeer. Wie viele Menschen an Bord waren, was aus ihnen geworden ist, darüber ist nichts bekannt. Das Boot ist Teil einer Kampagne der Seenotrettungsorganisation Seebrücke, die für sichere Fluchtwege, die Entkriminalisierung der Seenotrettung und eine humanitäre Aufnahme für Geflüchtete wirbt. In diesem Zusammenhang ist das Boot zum Ausstellungsobjekt geworden.
Foto: Martin Liebetruth
Einen sehr passenden Epilog zu MOVING THINGS bildet die künstlerische Arbeit HELPERS CHANGING HOMES von Yuka Oyama aus Berlin. Sie geht der Frage nach, wie man die Leere ausfüllt, die dadurch entsteht, dass man sein Zuhause verlassen hat. Dazu hat Yuka Oyama Menschen befragt, die wie sie selbst ein nomadisches Leben führen. Die Künstlerin kommt zu dem Ergebnis, dass es in erster Linie materielle Dinge sind, viel mehr als Kultur, ethnische Communities, Geschlechterrollen oder Traditionen, die den Menschen, die unterwegs sind, Stabilität und Identität schenken.
Die Ausstellung ist das Ergebnis des Forschungsprojektes „Zur Materialität von Flucht und Migration“, das von drei Verbundpartnern getragen wurde: dem Institut für Ethnologie der Georg-August-Universität Göttingen, dem Museum Friedland und dem Berliner Ausstellungsbüro Die Exponauten. Ausstellungen et cetera. Ausgangspunkt für das Projekt waren ethnografische Forschungen im Grenzdurchgangslager Friedland bei Göttingen. Die Wege der Recherche, die Gespräche und Begegnungen führten nach Moria und in die Türkei, nach Syrien und zu afghanischen Communities im Iran. In Göttingen laufen nun die Fäden zusammen. MOVING THINGS läuft noch bis zum 15.01.2023.
Foto: Martin Liebetruth
Unter dem Titel MOVING THINGS ist auch eine Publikation erschienen, die die Themen der Ausstellung zum Teil vertieft, zum Teil ergänzt. Das Buch ist online beim Wallstein Verlag erhältlich und in unserem Shop, direkt im Forum Wissen. Die Autor*innen schreiben über bewegte und bewegende Dinge im Kontext von Flucht und Migration und liefern Hintergrundinformationen zu den Ausstellungsthemen.
Glas ist überall um uns herum. Nicht wegzudenken aus dem Alltag, macht es für uns – zum Beispiel als Fensterscheibe, Trinkglas oder Smartphone-Screen – Dinge sichtbar und fasziniert uns in kunstvoll gestalteten Skulpturen und Gebäuden. Doch für seinen Nutzen bezahlt das Material einen hohen Preis. Oft nehmen wir das Allrounder-Material nämlich gar nicht wahr. Selten hat man Anlass, über die bekanntesten Erscheinungsformen von Glas zu reflektieren.
Eine Gelegenheit dazu bietet nun die Ausstellung „Vorsicht! Glas! Perspektiven auf ein (un)sichtbares Material“, die ich gemeinsam mit elf weiteren Studierenden der Philosophischen Fakultät über zwei Semester erarbeiten konnte. Wir wollten einen Raum schaffen, in dem allein Glas den Fokus bildet. Dabei stehen nicht nur typische Glasdinge wie Trinkgläser oder Flaschen im Mittelpunkt, sondern gläserne Objekte aus verschiedensten Disziplinen und Sammlungen der Universität Göttingen.
Großer Andrang zur Vernissage
Aktualität eines alten Materials
Obwohl auch ich Glas im Alltag oft nicht wahrgenommen habe, ist es besonders in Nachhaltigkeitsdiskussionen schon lange ein großes Thema. Die UN haben 2022 offiziell zum „Internationalen Jahr des Glases“ ausgerufen, um das Material zu feiern, das uns bereits seit 9000 Jahren begleitet. Fähig, aus wenigen Ausgangsstoffen hergestellt und danach endlos recycelt zu werden, gilt Glas als ein Musterbeispiel für nachhaltige Ressourcen. Ungeachtet bleibt aber oft, dass der Energieaufwand und die Umweltbelastung für die Einschmelzung erheblich sind. Zudem ist die Glasproduktion von den steigenden Energiepreisen und der Sandknappheit betroffen, so dass Glas bald deutlich kostspieliger werden könnte. Gerade diese aktuelle Dimension war uns als kuratorischem Team in der Auseinandersetzung mit dem Material wichtig. Auch haben wir uns gefragt, welche Verwendungen findet der Stoff, woraus besteht er, was leistet er für uns?
Eine Welt aus Glas
Als unser Ausstellungsseminar begann, konnte ich beobachten, wie ambivalent meine eigene Haltung gegenüber dem Material Glas war. Ich dachte zuerst an ein massengefertigtes Produkt, das jede*r besitzt; etwas Glattes, Kaltes, Farbloses ohne besonderen Charme. Doch während des Seminars und unseren Recherchen wurde mir die hohe Funktionalität, der gesellschaftliche Wert und die vielfältige Ästhetik von Glas immer deutlicher. Längst ermöglicht uns das Material Schutz vor Hitze und Kälte, lässt unsere Lampen leuchten und sorgt in Glasfaserkabeln für schnelleres Internet.
Im Alltag begegnet uns Glas überall.
Auch in unserem Studierendenalltag, zum Beispiel beim Abend mit Freunden, ist Glas nicht wegzudenken, hellen sich doch beim Anblick von Bierflasche, Weinglas und Co. alle Mienen auf. Als Studierende der Kunstgeschichte faszinieren mich besonders Glasarchitekturen und Glasskulpturen mit ihrem Potential, verschiedenste Formen und Anmutungen anzunehmen. Mit der Erarbeitung der Ausstellung wurde uns (glas)klar: Unsere moderne Gesellschaft besteht gewissermaßen aus Glas.
Glas in den Naturwissenschaften
In den Naturwissenschaften ist Glas unter anderem für die Erforschung von chemischen und physikalischen Phänomenen wichtig. Mithilfe von Glas können Chemiker*innen beispielsweise in der Spektralanalyse weißes Licht in seine unterschiedlichen Farben zerlegen und so eine Elementprobe auf ihre chemische Zusammensetzung untersuchen, da jedes chemische Element ein charakteristisches Lichtspektrum aufweist. In der Ausstellung kann das dafür eingesetzte Bunsen-Spektroskop aus dem Museum der Göttinger Chemie ausprobiert werden.
Einblicke in die Wissenschaften
Im Themenraum „Glas als optisches Medium“ werden deshalb die sonst unsichtbaren Bestandteile vieler wissenschaftlicher Instrumente sichtbar gemacht. Für die Ausstellung aus ihrer gewöhnlichen Forschungs- oder Sammlungsumgebung herausgelöst, können Mikroskope und Ferngläser im Querschnitt sowie Linsen betrachtet und verglichen werden. Wir wollten zeigen, wie Licht dank Glas gebündelt und gebrochen sowie kleine und weit entfernte Dinge vergrößert werden können.
Ein zuverlässiges Material, das die Zeit überwindet
Glas und die vielen Formen seiner Herstellung und Bearbeitung gehören zu den ältesten Kulturtechniken. Seit 9000 Jahren wird das Material vom Menschen verwendet – ob als transparentes Flachglas, wie wir es in unseren modernen Fensterscheiben kennen, ob farbig wie in Buntglas-Kirchenfenstern oder als hauchdünne Schicht wie in der grünblauen Glasur eines altägyptischen Uschebtis. Diese über 2000 Jahre alte keramische Kleinplastik aus der Göttinger Sammlung der Ägyptologie ist ein Beispiel für Glas als Massenware schon im Alten Ägypten, denn sie sollte die Toten als Grabbeigabe vor der Feldarbeit im Jenseits schützen.
Das älteste Objekt der Ausstellung
Meine Co-Kurator*innen und ich hoffen, dass wir den Besucher*innen neue Perspektiven auf diesen faszinierenden Stoff eröffnen können. Noch bis zum 11. Dezember 2022 steht die Ausstellung „Vorsicht! Glas! Perspektiven auf ein (un)sichtbares Material“ in der Kunstsammlung des Auditoriums in der Weender Landstr. 2 in Göttingen immer sonntags allen offen, die sich für die vielen Fragen rund um Glas interessieren. Am 11. Dezember 2022 um 14 Uhr wird Dr. Michael Schwerdtfeger vom Alten Botanischen Garten der Universität Göttingen den Vortrag „Paradiese unter Glas – Botanische Gärten und ihre Gewächshäuser“ im Hörsaal Audi 11 des Auditoriums halten und die Finissage zur Ausstellung einleiten.